Kapitalanlage: Lust auf Immobilien ungebrochen

Trotz stark gestiegener Immobilien- und Grundstückspreise scheint die Lust der Deutschen auf die eigenen vier Wände ungebrochen. Diesen Schluss lässt das „Baufi-Barometer“ der ING Deutschland zu. Anhand der Frage „Wie finanziert Deutschland?“ wurden die Baufinanzierungsdaten der ING-Kundinnen und -Kunden im Zeitraum von 2016 bis 2021 (Stichtag 30. November 2021) ausgewertet.

Thomas Hein: Kunden wollen sich günstige Konditionen lange sichern (Foto: ING).

Während sich die Zahl der Darlehensverträge in den sechs Jahren auf konstant hohem Niveau zeigt, machen sich die gestiegenen Bau- und Grundstückskosten durchaus in den Finanzierungen bemerkbar: Seit 2016 ist das durchschnittliche Darlehensvolumen um 40 % von 251.000 Euro auf 348.000 Euro gestiegen. In Bayern wurden mit 449.000 Euro im Durchschnitt die höchsten Darlehenssummen im Vergleich der Bundesländer ausgezahlt, im Saarland mit 236.000 Euro die niedrigsten.

Die Diskussion um möglicherweise wieder anziehende Zinsen geht dabei auch an den Kundinnen und Kunden der ING nicht vorbei. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zinsbindungsdauer bei den Baufinanzierungen von durchschnittlich 10,7 Jahren auf 12,4 Jahre angestiegen. „Immobilienkäufer wollen sich im aktuellen Umfeld die derzeit historisch günstigen Konditionen möglichst lange sichern“, sagt Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung von der ING Deutschland. „Dazu kommt, dass im dritten Quartal 2021 eine Preissteigerung von durchschnittlich 12,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnet wurde. Dies ist zum zweiten Mal in Folge der größte Preisanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000. Vor diesem Hintergrund scheint für viele Menschen eine möglichst große Sicherheit bei der Zinsbindung ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung zu sein.“

Die niedrigen Zinsen sind indes möglicherweise auch verantwortlich für eine weitere Entwicklung, die sich abzeichnet: „Wir sehen bei der Nutzung der finanzierten Objekte in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg der Vermietungen, verbunden mit einem leichten Rückgang bei der Eigennutzung. Waren 2016 noch 80,4 % aller bei uns finanzierten Objekte für die eigene Nutzung vorgesehen, so ist dieser Wert 2021 auf 74,8 % gesunken. Gleichzeitig stieg der Anteil bei den vermieteten Immobilien von 15,9 % auf 21,8 %. Hier spielt möglicherweise die Suche nach Anlagealternativen im Niedrigzinsumfeld eine Rolle“, so Thomas Hein.

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