Altersarmut: Die Ängste der Deutschen

Die Deutschen stehen künstlicher Intelligenz kritisch gegenüber, sie sind nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten einen einzigen Euro zu zahlen und immer mehr können sich einen digitalen Überwachungsstaat vorstellen. Das sind einige der Erkenntnisse aus dem Ergo Risiko-Report 2019, dem zweiten Teil einer repräsentativen Studienreihe zur Risikokompetenz und Eigenverantwortung der Deutschen.

Prof. Gerd Gigerenzer: Bundesbürger lieben Bargeld (Foto: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung).

Die Studie wurde unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, durchgeführt. Der aktuelle Bericht richtet den Fokus auf das Thema Digitalisierung.

„Wir bei Ergo beschäftigen uns jeden Tag mit Risiken und managen sie für unsere Kunden“, kommentiert Mark Klein, Vorstandsvorsitzender Ergo Digital Ventures, die Studie. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, um Bewusstsein für digitale Themen – positive wie negative – zu schaffen, etwa beim Stichwort Datenschutz: beispielsweise sind ganze 75 % der Befragten nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten zu bezahlen.“

Soziale Medien wie Facebook, WhatsApp oder Instagram sammeln Daten ihrer Nutzer und finanzieren durch den Verkauf der Daten das kostenlose Plattformangebot. Wenn die User für die Nutzung der Online-Angebote zahlen würden, könnten sie so ihre Privatsphäre besser schützen. Allerdings: Ganze 75 % der Deutschen sind überhaupt nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten zu zahlen. Wenn, dann sind es die jungen Befragten – die Generation Vielsurfer – zwischen 18 Jahren und 40 Jahren, die immerhin fünf Euro (26 bis 27 %) oder 10 Euro (8 %) dafür ausgeben würden.

Die von der Volksrepublik China angekündigte Einführung eines Sozialkreditsystems sorgt für Schlagzeilen. Laut Aktionsplan solle finanzielles, moralisches und politisches Wohlverhalten mit günstigen Krediten oder schnelleren Beförderungen „belohnt“ werden. Fehlverhalten wie Steuerhinterziehung, Vernachlässigung der Eltern oder Überqueren einer Ampel bei Rot könnte sanktioniert werden.

Im Westen würde die Einführung eines Bonitätssystems, das dem chinesischen Vorhaben vergleichbar wäre, Proteste auslösen, mutmaßten zahlreiche deutsche Medien. Tatsächlich fände jedoch jeder fünfte (20 %) Befragte ein solches Punktesystem gut, weitere 12 % sind unentschlossen. Ablehnend äußern sich gut zwei Drittel (68 %). Tendenziell sinkt die Zustimmung mit zunehmendem Alter: 18 Jahre bis 30 Jahre: 23 %, 31 Jahre bis 40 Jahre: 22 %, 51 Jahre bis 60 Jahre und über 60 Jahre je 18 %.

Obwohl 39 % der Deutschen Angst vor Altersarmut haben, bildet gut jeder vierte Befragte (28 %) keine monatlichen Rücklagen für die private Altersvorsorge. Am häufigsten trifft das auf die 18-Jährigen bis 30-Jährigen (33 %) sowie auf die über 60-Jährigen (36 %) zu. Auch Frauen bilden oft kein stabiles finanzielles Polster für die Altersvorsorge: 32 % von ihnen sparen monatlich keinen einzigen Euro – bei Männern trifft das auf 24 % zu.

Die Angst vor Terrorismus oder Krieg steht zwar nach wie vor auf Platz eins (55 %) der von den Deutschen am meisten gefürchteten Sicherheitsrisiken, doch gegenüber 68 % im Vorjahr ist die Bedeutung um etwa ein Fünftel gesunken. Hoch ist dagegen die Sorge der Deutschen vor den Folgen des Klimawandels: Unwetter und Naturkatastrophen bereiten 40 % der Befragten Kummer. Den 18-Jährigen bis 30-Jährigen (41 %) und Frauen (44 %) übrigens etwas häufiger als den anderen Befragten.

91 % (2018: 93 %) der Deutschen lieben ihre Scheine und Münzen im Portemonnaie. Fast ausnahmslos halten Frauen (93 %) und Männer (89 %) am Bargeld fest. Etwas offener zeigen sich nur junge Menschen: Bei den 18-Jährigen bis 30-Jährigen können sich immerhin 16 % ein Leben ohne bare Münze vorstellen, bei den 31-Jährigen bis 40-Jährigen sind es noch 13 %. Die über 60-Jährigen halten mit 94 % am meisten an ihrem vertrauten Bargeld fest. Sind Papiergeld und Moneten für sie, mehr als für alle anderen, ein Zeichen für Beständigkeit und Sicherheit im Alltag? Vor allem Facharbeiter und Selbstständige (je 95 %) lehnen die Abschaffung des Bargelds ab.

 

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