Big Data: So wird Mobilität sicherer

Die Chancen von Big Data in einer digital vernetzten Gesellschaft sind derzeit Thema vielfältiger öffentlicher Diskussionen. Über die Vor- und Nachteile der Erhebung und Nutzung großer Datenmengen für die Mobilität der Zukunft befragte der Professor für Versicherungslehre an der Universität Leipzig, Dr. Fred Wagner, jetzt den Vorstand der HUK-Coburg Versicherungsgruppe, Dr. Jörg Rheinländer, im Auftrag des Goslar Instituts.

Ziel: Bessere Fahrer werden belohnt (Karikatur: Goslar Institut).

Darin hakt der Wissenschaftler ganz konkret nach, ob die HUK denn tatsächlich zur „Daten-Krake“ werden will, nur um Telematik-Tarife anbieten zu können? Das klinge doch sehr nach „Big Brother“, greift Wagner einen häufig strapazierten Vorwurf aus der öffentlichen Debatte auf.

Die bislang von den Kfz-Versicherern traditionell erhobenen Daten – zu Fahrzeugtyp, Wohnort, Fahrleistung etc. – reichten zwar im Prinzip für eine vernünftige Tarifierung aus, entgegnet Rheinländer. Dabei bleibe aber die individuelle Risikobewertung auf der Strecke. Die Telematik hingegen eröffnet die Möglichkeit, gutes, sprich defensives, vorausschauendes und sicheres Fahren zu belohnen, betont der Experte.

Ein solches positives Feedback kann nach seiner Einschätzung – und der vieler anderer Fachleute – einen positiven Anreiz darstellen, um Kfz-Versicherungskunden zu einem besseren Fahren zu bewegen. Man verfolge dabei den Ansatz, nicht zu bestrafen, sondern bessere Fahrer zu belohnen, betont er.

Und die Versicherer können mit mehr Daten noch mehr bieten als nur entsprechende Rabatte für Besserfahrer, erläutert Rheinländer: wie etwa Anreize für ökologisches Fahren – wenn ihnen denn die entsprechenden Informationen zur Verfügung stehen. So könne Telematik auch als Voraussetzung für ökologisches Fahren dienen, mit Vorteilen für die gesamte Gesellschaft. Denn wenn z.B. ein Autofahrer ständig beschleunigt, abbremst, wieder Gas gibt und gleich wieder auf die Bremse steigt, dann ist bei einem solchen Fahrverhalten der CO2-Ausstoß zwangsläufig höher als bei einem ausgeglichenen Fahrstil, verdeutlicht der Experte. Dem ließe sich mit positiven Anreizen ebenfalls entgegenwirken, ist er überzeugt. Deshalb begrüßt er die übereinstimmende Zielrichtung bei Telematik, Unfallsicherheit und ökologisches Fahren zu fördern.

Doch diese Intention sieht er bislang durch ein falsches Verständnis beim Datenschutz ausgebremst. Bei 80.000 Telematikkunden habe die HUK-Coburg lediglich weniger als eine Handvoll Anfragen zum Datenschutz bekommen, berichtet Rheinländer. Das legt seiner Einschätzung nach nahe, dass Datenschutz nicht das Massenthema ist. Zudem gebe der Kunde seine Daten auch nur preis, wenn diese zu seinem Nutzen verwendet würden, betont der Experte. Diese Voraussetzung sieht er bei der Telematik eindeutig gegeben.

Derzeit fühlen sich jedoch nicht nur die Versicherer hierzulande durch strenge regulatorische Vorgaben in der Entwicklung neuer Angebote wie auch Mobilitätsmodelle massiv eingeschränkt. Auch andere deutsche wie europäische Player im Mobilitätssegment klagen über eine deutliche Schlechterstellung im Wettbewerb mit Unternehmen aus Übersee, speziell gegenüber großen Datenunternehmen aus den USA und China. Jene können nämlich erheblich freier Geschäftsmodelle entwickeln und diese, wenn sie reif sind, auch nach Europa bringen.

Wenn sich der Nutzen dieser Angebote dann herauskristallisiert, fehlen den deutschen und europäischen Unternehmen sowohl die Voraussetzungen als auch die Kenntnisse, um da mithalten zu können, konstatiert Rheinländer warnend. Das bedeute für die Europäer vielfach das Aus in diesem Wettbewerb.

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