Continentale: Digitalisierung der Medizin stößt auf Skepsis

Beim PKV Forum der Continentale in Köln sprach Ex-Bundespräsident Joachim Gauck deutliche Worte. Er verglich die heutige Angst der Bevölkerung vor Digitalisierung und Globalisierung mit den Sorgen unserer Vorfahren wegen dem Maschinenzeitalter. Dieser Furcht vor dem Wandel setzte er ein „wir können das“ entgegen.

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck: Verteidigt die offene und liberale Demokratie (Foto: Metzger).

Als Vorstandsvorsitzender der Continentale verwies Christoph Helmich auf die Fortschritte der Digitalisierung in der Medizin. Auf der größten derartigen Veranstaltung der Branche vermittelte er den Vertriebspartnern entsprechende Erkenntnisse einer aktuellen Studie seines Hauses. Gleichzeitig betonte er, dass nur der Mensch Empathie und soziale Kompetenz vermitteln könne.

Elektronische Patientenakten

Digitalisierung in der Medizin eröffnet neue Wege und neue Chancen. Die Bevölkerung bewertet diese differenziert. Während sie sich die Nutzung einer elektronischen Patientenakte inzwischen zwar mehrheitlich vorstellen kann, ist sie bei anderen Innovationen eher skeptisch. Sei es die Videosprechstunde beim Arzt, die Diagnosestellung durch Künstliche Intelligenz oder der Roboter als Ersatz für Pflegepersonal: Die Menschen sehen darin zwar Chancen, aber deutlich häufiger sehen sie Risiken. Das sind Ergebnisse der Continentale-Studie 2019. Die repräsentative Befragung wurde in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar erstellt.

„Die Studie zeigt sehr deutlich: Die Bevölkerung vertraut in der Medizin grundsätzlich eher dem Menschen“, betont Helmich. So akzeptieren 95 % eine Diagnose durch Künstliche Intelligenz entweder gar nicht oder nur, wenn auch der Arzt zusätzlich eine Diagnose stellt. Gründe dafür: Zwar sehen 55 % die Chance einer schnelleren Diagnosestellung, aber häufiger noch sehen die Befragten Gefahren durch Datenmissbrauch (70 %) und Fehldiagnosen (68 %).

Skepsis beim Roboter

Auch im OP-Saal vertrauen 62 % eher dem Arzt als einem Roboter. „Selbst in 20 Jahren sieht etwa jeder Dritte sowohl künstliche Intelligenz als auch Roboter dem Menschen als unterlegen an. Dabei werden wir uns angesichts des rasenden Fortschritts noch wundern, was bis dahin alles möglich sein wird“, erläutert Helmich.

Roboter in der häuslichen Pflege sehen die Befragten ebenfalls kritisch. Rund drei Viertel bezeichnen sie als Trauerspiel für die Gesellschaft, weil der direkte Kontakt zwischen Menschen verloren ginge. 72 % sehen zudem auch eine Gefahr durch fehlerhafte Technik. Trotzdem: Immerhin 40 % können sich aktuell vorstellen, sich bei Bedarf durch einen Roboter zu Hause unterstützen und versorgen zu lassen. Denn positiv sei z.B., dass Roboter die Familie entlasten und die Selbstständigkeit des Betroffenen erhöhen (je 52 %).

Apps stoßen auf Zustimmung

Gesundheitsapps können z.B. chronisch Erkrankte an die regelmäßige Einnahme von Medikamenten erinnern. Außerdem messen sie Daten wie Puls, Blutdruck oder Zuckerspiegel. Die Bevölkerung sieht hierin in der Abwägung häufiger Vorteile als Nachteile: Die meisten glauben, dass die App den Alltag von chronisch Erkrankten verbessere, weil sie Aufgaben abnehme (62 %). Außerdem erhöhe sie das Gefühl von Sicherheit (52 %). Andere glauben hingegen, dass die Krankheit durch die ständige Erinnerung der App letztlich mehr Raum einnehme (31 %) und die ständige Datenüberwachung zu Paranoia führe (43 %).

Auch unabhängig von konkreten Krankheiten nutzen aktuell 15 % der Bevölkerung Fitnessarmbänder, Smartwatches oder ähnliche Geräte, um ihre Gesundheitsdaten im Blick zu behalten – doppelt so viel wie vor vier Jahren. Die Mehrheit der Nutzer hat als Folge ihr Verhalten positiv verändert, etwa in Form von mehr Bewegung. Das trifft besonders auf Frauen zu.

Männer sind aufgeschlossener

Übergreifend gilt aber: Männer sind bei den Digitalisierungsthemen aufgeschlossener als Frauen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Besonders affin gegenüber den neuen Techniken im Medizinbereich zeigen sich Menschen zwischen 30 Jahren und 39 Jahren.

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