Familie: Ein Hindernis für vernünftige Geldanlagen?

Das Thema Geld ist in deutschen Privathaushalten zwar allgegenwärtig, aber richtig geredet wird darüber nach meinen Erfahrungen häufig nicht. Daher steht die Familie einer vernünftigen Geldanlage oft im Weg. Denn das Finanzverhalten in Form von Konsum, Sparen und Anlegen gibt das familiäre Umfeld an nachfolgende Generationen häufig unbewusst in Form von Glaubenssätzen, Rollenmustern und Emotionen weiter. Vor diesem Hintergrund familiärer Wertvorstellungen und fehlendem Fachwissen fallen individuelle Finanzentscheidungen weitgehend unreflektiert.

Familie-BankenverbandDas Sparschwein: An die Vorstellungen vieler Generationen gefesselt (Foto: Bankenverband).

Das aktuelle Kapitalmarktumfeld wird selten berücksichtigt, so dass beispielsweise die klassische Zinsanlage auch im Niedrigzinsumfeld kaum in Frage gestellt wird. Damit führt der in der Familie tradierte Erfahrungsschatz über den Umgang mit Geld häufig zu finanziellen Fehlentscheidungen.

Finanzielle Fehlentscheidungen

Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Studie im Auftrag von Union Investment unter wissenschaftlicher Begleitung von Professor Dr. Rolf von Lüde und Professor Christian von Scheve.

Auf Basis der Interviews ließen sich drei Informationsträger identifizieren, die eine wichtige Rolle bei der Weitergabe von Erfahrungswissen innerhalb der Familie spielen, mitunter jedoch einer rationalen Vermittlung von Finanzwissen im Wege stehen: Eine sachliche Vereinfachung durch Daumenregeln und Glaubenssätze, ein unbewusst vorgelebtes Rollenverhalten im Umgang mit Geld sowie eine starke emotionale Prägung.

Daumenregeln und Glaubenssätze

Dieses durch Daumenregeln und Glaubenssätze verdichtete Erfahrungswissen ermöglicht zwar eine schnelle Orientierung bei der Geldanlage. Allerdings können suboptimale Entscheidungen die Folge sein, wenn sich ökonomische Realitäten verändern und sich die Schlussfolgerungen nicht anpassen.

Eine weitere wichtige Rolle bei der Vermittlung von Finanzwissen spielt die Tatsache, dass der Umgang mit Geld unbewusst vorgelebt wird. Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung.

Unbewusste Wissensvermittlung

Sogar in Familien, die sich große Mühe geben, den Kindern bewusst eine finanzielle Grundbildung zu vermitteln, erfolgt ein Großteil der Wissensvermittlung unbewusst. „Kinder lernen zunächst durch die Familie die Regeln, Konventionen und Wertvorstellungen der Gesellschaft“, sagt Prof. von Lüde.

Die finanzielle Prägung durch die Familie ist stark und über Generationen stabil. Das gilt auch für den Einfluss von Emotionen und Symbolen. So ist Geld und damit zusammenhängende Symbole wie das Sparschwein, ein Sparbuch oder das erste Girokonto bis zum Erwachsenenalter sehr positiv besetzt.

Nicht nach Lehrbuch

Erst ab einem bestimmten Alter verändert sich die positive Einstellung, wenn Geldanlagen zur Last werden und damit auch bei vielen Menschen die Bereitschaft sinkt, sich damit auseinanderzusetzen. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, die familiär überlieferte Geldanlage in den entscheidenden Situationen zu hinterfragen, ist nur schwach ausgeprägt.

„Die wenigsten Deutschen gehen bei ihrer Geldanlage nach dem Lehrbuch vor“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Sie horten ihr Erspartes in Anlageformen, die sich über Generationen bewährt haben, aber in Zeiten niedriger Zinsen die Renditeerwartungen nicht mehr erfüllen können.

Gesetzgeber gefordert

Hier seien auch die Finanzdienstleister und der Gesetzgeber gefordert. „Wir müssen Brücken bauen, damit Privatanleger nicht von vornherein Anlageformen ausschließen, die grundsätzlich zu ihnen passen und Nutzen stiften können“, sagt Joachim Reinke auch in meinem Sinn.

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