Inflation: Sie ist nicht tot

In vielen Industrieländern steigen die Verbraucherpreise seit Jahrzehnten kaum noch. Oft heißt es, die Inflation sei tot – zumindest in den großen Volkswirtschaften. Die Teuerung in vielen großen Volkswirtschaften ist im historischen Vergleich tatsächlich sehr niedrig, und die Corona-Krise dürfte den Preisanstieg in nächster Zeit weiter dämpfen. „Wir sind aber der Meinung, dass die Inflation nicht tot ist. Vielleicht schläft sie 2020, aber mittelfristig wird sie zurückkehren, und das möglicherweise stärker, als wir es von den vergangenen Jahrzehnten gewohnt sind“, sagt Jonathan Baltora von AXA Investment Managers (AXA IM).

Jonathan Baltora: Preissteigerung mittelfristig zu befürchten (Foto: AXA IM).

Argumente, die dafür sprechen, findet der Experte einige. Zum einen haben viele Regierungen auf die Krise mit nie da gewesenen Hilfspaketen reagiert, die zu enormen Haushaltsdefiziten führen werden. Und dann sind da noch die Wertpapierkäufe der Notenbanken, die ebenfalls alles Bisherige in den Schatten stellen. „Auch früher haben Notenbanken die Wirtschaft in Rezessionen mit Wertpapierkäufen gestützt, wenn auch in wesentlich geringerem Maße. Dieses Quantitative Easing hat die Inflation steigen lassen und zusätzlich für höhere Inflationserwartungen bei den Verbrauchern wie an den Finanzmärkten gesorgt“, so Baltora.

Unterbrechungen der Lieferketten sind in einer eng vernetzten Welt ein großes Problem. Welche Auswirkungen sie haben können, zeigte die Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011. Nach der Katastrophe, die vor allem die Automobilindustrie traf, stieg die Inflation bis Ende 2011 auf 3,2 % in den USA und 3,3 % in der EU. 2010 hatte die Teuerung gemessen an den Verbraucherpreisdaten der Weltbank nur 1,6 % bzw. 1,7 % betragen. „Da die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die globalen Lieferketten 2020 besonders groß sind, ist das Risiko einer steigenden Inflation keineswegs von der Hand zu weisen“, so Baltora.

Laut Baltora müssten die Märkte bis zu einem gewissen Grad eine höhere Inflation einpreisen, da die derzeitigen Marktniveaus zu niedrig erscheinen. Genau deswegen könnte für Investoren ein guter Zeitpunkt sein, in inflationsindexierte Anleihen zu investieren.

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