Kurs/Gewinn-Verhältnis: Anleger lieben billige Aktien

Billige Aktien waren in meinem Anlegerclub schon immer „in“. Das Problem ist nur, welche Aktie ist billig und woran misst man das?

Oskar H. Metzger: Neues aus meinem Anlegerclub (Karikatur: Bubec).

Hier kommen die vielen Kennziffern der Finanzanalysten ins Spiel. Die wichtigste Messlatte der Analysten ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis, kurz KGV.

Ganz so einfach ist es nicht

Der Kurs einer Aktie wird dabei, wie es in einer Fachinformation der Deutschen Börse heißt, durch den Gewinn dieses Unternehmens je Aktie dividiert. Oder anders herum: Das KGV drückt aus, mit dem Wievielfachen des vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinns pro Aktie die Aktie bezahlt wird. Je höher diese Ziffer, um so teurer erscheint die Aktie.

Aber Vorsicht. Ganz so einfach ist Finanzanalyse nicht. Angenommen zwei Gesellschaften weisen den gleichen Gewinn je Aktie von 5 Euro auf. Doch notiert die eine Aktie bei 50, KGV also 10, die andere Aktie jedoch bei 100, KGV also mit 20 doppelt so hoch.

Ein kaum wachsendes Unternehmen

Ist dann die Aktie mit KGV 10 wirklich billiger und damit erfolgversprechender als die Aktie mit dem KGV von 20? Nein, nicht unbedingt. Denn bei der optisch so billigen Aktie handelt es sich mit Sicherheit um ein statisches, kaum wachsendes Unternehmen. Deshalb sind die Anleger auch nicht bereit, mehr für die Aktie zu bezahlen.

Denn letztlich ist ein Unternehmen nur das wert, was es – in abgezinster Form – in den nächsten Jahren an Gewinnen erwirtschaftet. Bei dem „teureren“ Unternehmen erwarten die Anleger sicher einen höheren Gewinnanstieg von eventuell 20 % pro Jahr, weshalb sie bereit sind, dafür auch mehr zu bezahlen.

Der Werkzeugkasten ist größer

Finanzanalyse bedarf also des Hinterfragens. Sonst könnte ein Computer eine Liste mit den niedrigsten KGVs auswerfen – und fertig wäre die Anlagepolitik.

Doch das KGV ist nur eine Bewertungsgröße aus dem gesamten Werkzeugkasten der Finanzanalysten und kann durchaus auch einmal falsche Signale geben. Anleger sollten deshalb auch an Hand anderer Bewertungsgrößen prüfen, ob das niedrige KGV wirklich eine preiswerte Aktie oder eine lahme Ente signalisiert.

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