Schuldenfallen: Wie sie sich vermeiden lassen

Schuldenfallen, die mit ihnen einhergehende Verschuldung und oft auch Hoffnungslosigkeit waren lange Zeit ein Tabuthema in der Gesellschaft. Eigentlich – so könnte man meinen – kann es nur die Anderen und auch nur ganz wenige Menschen treffen.

Ein Blick in die Realität zeigt aber: Millionen Menschen können ihre Raten nicht mehr bedienen, sie gelten als überschuldet. Das Unternehmen „Creditreform“, das sich mit Bonitätsbeurteilungen und Wirtschaftsinformationen befasst, hat einen „Schuldneratlas“ herausgegeben. Seine wesentlichen Kernpunkte sind:

  • Die Überschuldung ist kein Randphänomen mehr, denn erstmals stieg die Überschuldungsquote auf über 10 % an. Dies bedeutet, dass im Schnitt etwas mehr als jeder Zehnte überschuldet ist.
  • Alter schützt vor Überschuldung nicht: Insbesondere bei älteren Schuldnern wurde ein überproportionaler Anstieg der Verschuldungsquote gemessen.
  • Insbesondere in Gebieten mit nicht so hoher Wirtschaftsleistung ist der Anteil überschuldeter Menschen wesentlich höher. Als vergleichsweise „sicher“ können weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs gelten.

Damit aus einem einzelnen, leicht rückzahlbaren Kredit nicht eine Überschuldung wird, sollte man am Besten ein paar Ratschläge zum Umgang mit Geld beachten:

 Selbstbewusstsein verhindert Überschuldung

Im Online-Angebot der „Zeit“ fand sich schon vor einigen Jahren ein interessanter Beitrag über das Konsumverhalten. Und auch über die Methoden, wie uns raffinierte Werbung dazu verführt, zu viel oder zu teuer einzukaufen.

Grundtenor: Der Konsum generell oder auch bestimmte Produkte dürfen keinen so hohen Stellenwert bekommen, dass man daraus Selbstbewusstsein ziehen kann. Denn dann ist der Weg zum „zu viel“ beim Einkaufen nicht mehr weit.

 Miteinander über Geld reden

Es gibt leider keine eindeutige Tendenz dahingehend, dass für Familien oder Paare keine Überschuldungen festgestellt werden würden. Da mehrere Personen an den Finanzentscheidungen beteiligt sind, kommt es aber auf jeden Einzelnen an.

Die Partner sollten deshalb gemeinsam durchrechnen, wie hoch die frei zur Verfügung stehenden Mittel wirklich sind. Dies ist gar nicht so schwer, auch wenn man in einem ersten Schritt noch nicht detailliert mit einem Haushaltsbuch oder einer App mit ähnlicher Funktion arbeiten will.

Betrachten sollte man den Finanzstatus bzw. den Girokontoauszug der letzten Monate und dabei die beiden Zahlen „Haben-Buchungen“ (bzw. Haben-Umsatz –> alle Gutschriften) und „Soll-Buchungen“ (alle Ausgaben). Zwei oder drei repräsentative Monate zeigen schnell, wie hoch die tatsächlich noch frei verwendbaren Mittel sind.

 Kosten pro Freizeit- oder Nutzungsstunde

Bevor Profis einige Tipps zu den häufigsten Schuldenfallen oder Verschuldungsrisiken geben, raten sie zum Blick auf die tatsächlichen Kosten eines Einkaufs. Überlegen sollte man insbesondere bei teureren Ausgaben immer, wie oft und häufig man das Gut wirklich nutzt.

„Denken Sie an einen Privat-PKW, den Sie vielleicht immer nur am Wochenende nutzen, der aber sieben Tage die Wochen Geld verschlingt. Oder an einen Jahresvertrag eines Fitnessstudios, das Sie in Wahrheit aber vielleicht nur ein- oder zweimal im Monat nutzen. Dann bekommen Sie ein noch besseres Gefühl für Geld.“

Ähnliches gilt natürlich auch für Entertainment- oder PayTV-Pakete, die man am Besten nicht unbedingt wegen eines Einzelereignisses oder einer Meisterschaft abschließen sollten, die man unbedingt sehen möchten.

Klassiker der Schuldenfallen

Es gibt zwei Arten von Schuldenfallen, bei denen insbesondere eine Vielzahl kleinerer Beträge ganz schön ins Geld gehen können. Das Prinzip hier lautet: Kleinvieh macht in der Summe viel Mist. Nachstehend einige Beispiele für Schuldenfallen, die auch immer wieder die Beratungspraxis der Schuldnerberatungen bestimmen:

1.) Fehlende Übersicht über die jährlichen Kosten

Ein Vertrag für ein Fitness-Studio, das glänzende neue Smartphone oder auch andere Dienstleistungen ist rasend schnell abgeschlossen. Schließlich kostet dieser Vertrag ja nur ein paar Euro pro Woche oder einen bestimmten Betrag pro Monat. Anders als bei Konsumentenkrediten muss der Anbieter aber nicht die Gesamtkosten über die Vertragslaufzeit angeben.

Der Interessent wird verwirrt und schließt etwas ab, was sich beim Nachrechnen als unvorteilhaft erweist. Dies ist insbesondere bei Smartphones der Fall: Vertrag und Gerät getrennt einkaufen ist oft wesentlich günstiger als das „Bündel“ aus beidem.

2.) Folge- und Nutzungskosten werden nicht kalkuliert

Eine weitere Herausforderung ist das richtige Berechnen der Gesamtkosten beispielsweise beim Kauf eines neuen Autos. Nur die wenigsten machen sich vor dem Kauf Gedanken darüber, um wie viele Typklassen das Fahrzeug höher ist als der bisherige fahrbare Untersatz.

Steuer, Versicherung und insbesondere auch der Wertverlust des Autos sollten jedoch unbedingt rechtzeitig abgeschätzt werden. Eine grobe Orientierung und Anhaltspunkte geben die Berechnungen der Automobilklubs oder Verbraucherzeitschriften und die bisherigen Kosten.

Generell gilt, dass man als Verbraucher umso genauer hinsehen sollte, je größer eine Ausgabe und je unkündbarer ein Vertrag sind.

Quelle der Infos und weiterführende Tipps:

http://www.creditreform.de/nc/aktuelles/news-list/details/news-detail/schuldneratlas-deutschland-berschuldung-von-verbrauchern-jahr-2016.html
https://www.vexcash.com/blog/anregungen-zum-richtigen-umgang-mit-geld/
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/03/Werbung-Manipulation-Kaufrausch

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