Verbraucherzentrale: Schutz gegen Pandemie-Nachteile

Online-Shopping-Fallen, Rücktritte von Aboverträgen, unzählige Reisestornierungen und fragwürdige Kredite per Mausklick: Die Corona-Pandemie fordert den Verbraucherschutz wie selten ein Ereignis zuvor. Sachsens Verbraucherschützer hatten alle Hände voll zu tun, zwischen Unternehmen, Politik und Verbrauchern zu vermitteln und gute und schnelle Lösungen zu finden.

Andreas Eichhorst: Reisende bei Insolvenz besser schützen (Foto: Verbraucherzentrale Sachsen).

Die Pandemie verdeutlicht einmal mehr: Nachhaltiger und erfolgreicher Verbraucherschutz geht nur mit allen Beteiligten. Ganz so einvernehmlich und schnell läuft das jedoch nicht immer.

Die Ausbreitung von Covid-19 hat zu einer massiven Annullierung geplanter Reisen geführt. Seitdem sind nicht nur Verspätungen, Ausfälle und Verluste von Gepäck an der Tagesordnung, sondern auch wochenlanges Warten, bis geleistete Zahlungen rückerstattet werden. „Das Voraus-Kasse-Prinzip kann so nicht weitergeführt werden“, so Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen. Ebenso sind Reisende bei Insolvenzen nicht ausreichend geschützt. Das hat nicht nur die Insolvenz von Air Berlin gezeigt. Hier ist eine wirksame Insolvenzabsicherung gefragt. Restzahlungen für Pauschalreisen sollten z.B. erst eine Woche vor Reisebeginn fällig werden.

Für viele Verbraucher brachte das Pandemiejahr schwerere finanzielle Herausforderungen mit sich als je zuvor. Die Folge: Das Geschäft mit schnellen Online-Krediten und skrupellosen Kreditvermittlern floriert. Oft verschlechtert sich die finanzielle Situation der Kreditnehmer dadurch aber sogar: Teure Kreditkarten, hohe Dispozinsen, erhebliche Zusatzkosten oder Restschuldversicherungen führen dazu, daß Kredite nicht zurückgezahlt werden können. „Für die Anbieter entsteht so ein lukratives Geschäft. Verbraucher landen damit in einem Teufelskreis von immer neuen Krediten. Wir arbeiten deswegen an einem neuen Beratungsangebot für Betroffene“, so Eichhorst.

Spätestens seit der Corona-App ist klar: Ein verlässlicher, flächendeckender Internetzugang ist individuell, aber auch gesellschaftlich essentiell. Gleichzeitig gehören gehackte Passwörter, gestohlene Identitäten, Datenschutzverstöße und Phishing-Mails zum Alltag. „Hier sind niedrigschwellige Bildungsangebote und Selbstschutz relevante Hebel. Niemand darf auf Grund seines Kenntnisstandes oder Wohnortes digital abgehängt werden“, erklärt Eichhorst.

Ein Thema, das sächsische Sparer bewegt, ist die Kündigung von Langzeitsparverträgen. Für viele Kunden mit einem 2017 gekündigten Sparvertrag „Prämiensparen flexibel“ geht es um durchschnittlich 4.000 Euro Zinsnachzahlung pro Vertrag. Hier steht nach mehreren Musterfeststellungsklagen, die die Verbraucherzentrale Sachsen zusammen mit tausenden betroffenen Sparern gegen mehrere Sparkassen führt, die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) aus.

Nachdem das Oberlandesgericht Dresden bereits mehrere Urteile zugunsten der Sparer gefällt hat, muss nun der BGH entscheiden, wie die Zinsnachzahlungen konkret berechnet werden sollen „Wir hoffen auf ein weiteres positives Urteil, wonach Banken und Sparkassen den Differenzbetrag innerhalb von vier Wochen an ihre Kunden nachzahlen sollten“, fordert Eichhorst.

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